Haydn, Michael (1737-1806)

Michael Haydn wurde 1737 im niederösterreichischen Rohrau geboren. Wie sein Bruder Joseph wurde er im Alter von acht Jahren als Chorknabe ans Kapellhaus des Wiener Stephansdomes geschickt. Dort lernte er Orgel, Klavier und Violine und fiel durch seinen schönen, drei Oktaven umfassenden Knabensopran auf. Im Kompositionsunterricht wurde er an Johann Joseph Fux' Lehrwerk "Gradus ad Parnassum" geschult. 1754 wurde in Temeswar (Banat, bis 1918 habsburgisches Kronland, danach rumänisch) offensichtlich eine Trinitatis-Messe, Haydns erstes bekanntes Werk, zur Einweihung des Domes gespielt, es ist nicht bekannt, wie Haydn zu diesem Auftrag kam. Vermutlich Ende der 50er Jahre, nachweisbar aber erst 1761, wurde der junge Komponist Domkapellmeister im nahe Temeswar gelegenen Großwardein (rumänisch: Oradea), wo unter Bischof Patáchich das höfische Musikleben blühte. Bereits 1763 fand Michael Haydn in Salzburg Anstellung als "Hofmusicus und Concertmeister" in Diensten des Fürsterzbischofs Sigismund von Schrattenbach, später in Diensten Hieronymus' Graf von Colloredo. Damit war er ein Kollege Leopold und bald auch Wolfgang Amadé Mozarts. 1777 wurde Haydn zum Organisten der Dreifaltigkeitskirche ernannt, 1781 erhielt er auch die Stelle des Hoforganisten, die zuvor der nach Wien geflüchtete Mozart jr. bekleidet hatte. Michael Haydn starb 1806 in Salzburg.

In Salzburg hatte Haydn reichlich Gelegenheit, nicht nur geistliche, sondern auch weltliche Musik zu komponieren. Alle Werke verraten einen eigenständigen Ansatz und können es nicht selten mit denen Mozarts oder Joseph Haydns aufnehmen. Die Kirchenmusik war im Unterschied zu seinen Opern, seinen Orchesterwerken und seiner Kammermusik jedoch nicht nur exzellent gemacht, sie warf auch ihre Schatten auf das 19. Jahrhundert voraus. Im Rahmen der Reformbestrebungen Josephs II., die Fürsterzbischof Colloredo von Salzburg unterstützte, komponierte Michael Haydn u.a. 45 Offertorien und 117 Graduale, die an Stelle der instrumentalen Einlagen traten, welche jetzt aus dem Gottesdienst verbannt wurden. Neben lateinischen schrieb er auch deutsche Hochämter. Wegweisend sind Haydns A-cappella-Messen, die eine wichtige Inspirationsquelle für das Wiederaufblühen des Renaissancemusik im 19. Jahrhundert darstellten. Von großer Bedeutung sind auch Haydns Terzette und Quartette für Männerstimmen, die die gesamte Männerchorbewegung des 19. Jahrhunderts beeinflussten.

Anlässlich der Musikwoche Löwenstein aufgeführt:

Das Te Deum entstand wahrscheinlich 1760 in Großwardein, möglicherweise war es Haydns Antrittskomposition. Bereits in diesem Frühwerk wird seine Vorliebe für eine adäquate Textausdeutung ersichtlich. Im bis auf die Schlussfuge homophonen und melodisch recht einfach gestalteten Chorsatz sorgt die Harmonik für eine entsprechende Hervorhebung der Textstellen. Zum üblichen "Wiener Kirchentrio" (zwei Geigen und Cello) hinzutretende Pauken und Trompeten unterstreichen den festlichen Glanz des Te-Deum-Textes, der seit dem Mittelalter zu feierlichen Anlässen gesungen wurde. Eng verwandt mit Haydns Te Deum ist ein später entstandenes Te Deum Mozarts, das ebenfalls in C-Dur steht und den gleichen Aufbau aufweist.

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