Bickerich, Victor (1895-1964)

Victor Bickerich, geboren 1895 im schlesischen Lissa (heute Polen), studierte ab 1918 an der Akademie für Kirchen- und Schulmusik sowie Orgel bei F. Heitmann in Berlin. 1921 wurde er vom Kronstädter Presbyterium als Nachfolger Rudolf Lassels in das Amt des Organisten, Musikdirektors und Gymnasialmusiklehrers der Evang. Stadtpfarrgemeinde in Kronstadt gewählt. Bickerich baute den seit dem Tode Lassels verwaisten Knabenchor neu auf, unternahm mit ihm auch Auslandstourneen und veranstaltete ab 1923 in der Schwarzen Kirche regelmäßige "Motetten", seit 1924 Abendmusiken in den Sommermonaten, die in den Nachkriegsjahren durch die sommerlichen Fünfuhrkonzerte ausschließlich mit Orgelmusik ersetzt wurden. Bereits 1924 dirigierte Bickerich in Kronstadt als südosteuropäische Erstaufführung die Matthäus-Passion von J.S.Bach, 1931 folgte die Johannes-Passion. Als Verehrer Bachs gründete er 1933 den Bach-Chor der Schwarzen Kirche, mit dem er die großen Vokalwerke aufführen konnte und 1935 die denkwürdige Bukarester Erstaufführung von Bachs Matthäus-Passion und das erste siebenbürgische Bach-Fest veranstaltete (1936 Bukarester Erstaufführung der Johannes-Passion), im Rundfunk auftrat und 1937 auf eine große Deutschland-Tournee ging (Mozart-Requiem). Als Nachfolger von Paul Richter übernahm Bickerich 1935 auch die Leitung des Kronstädter Philharmonischen Orchesters. Zugleich unterrichtete er ab 1928 am Konservatorium Astra. 1962 zog er sich aus dem Konzertleben zurück.

Bickerich wurde neben und nach Paul Richter zur musikalischen Autorität Kronstadts. Universelle humanistische Bildung und seine auf das Geistige konzentrierte Grundhaltung machten ihn zugleich zu einer starken Erzieherpersönlichkeit. Er förderte und prägte - mit Ausstrahlungen in das rumänischen Altreich - entscheidend das Musikleben in seiner Wahlheimat. Die kirchenmusikalische Praxis in Kronstadt erreichte durch ihn ein bis heute nicht übertroffenes künstlerisches Niveau. Als tatkräftiger Förderer der von Stadtpfarrer K. Möckel vertretenen Liturgiegestaltung im Sinne der Berneuchener Bewegung trat Bickerich für eine musikalische Neuordnung des Gottesdienstes ein.

Karl Teutsch

Literatur:

<< zurück