Aichelburg, Wolf von (1912-1994)

Wolf von Aichelburg wurde durch die Übersiedlung der Familie im Jahr 1918 nach Hermannstadt zum Wahlsiebenbürger. Er lebte bis zu seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1977 vorwiegend in Hermannstadt als frei schaffender Schriftsteller, Komponist, Übersetzer, Kunst- und Musikkritiker. Von Aichelburg wurde aus politischen Gründen zweimal eingekerkert, 1948-52 und danach im "Deutschen Schriftstellerprozess" (1959) zu 25 Jahren Haft verurteilt. 1964 wurde er begnadigt. Von Aichelburg war Mitglied des rumänischen Schriftstellerverbandes (Preis 1971) und des rumänischen Komponistenverbandes; Träger auch anderer Preise.

Frühgereift und künstlerisch vielseitig veranlagt, trat Wolf von Aichelburg noch vor dem Zweiten Weltkrieg im Klingsor und in anderen deutschen wie rumänischen Zeitschriften mit Gedichten an die Öffentlichkeit, die in der europäischen, vornehmlich deutschen Lyriktradiktion der Jahrhundertwende stehend, ein bemerkenswertes Sprach- und Formbewusstsein erkennen lassen. Die in den späteren Bänden gesammelten Gedichte (Herbergen im Wind, Vergessener Gast), die erst herausgegeben wurde, als in Rumänien auch andere als proletkultisch geltende Verse geschrieben werden durften, behandeln, ohne von herkömmlichen Gedichtmustern abzugehen, eine Vielfalt lyrischer und gedanklicher Themen. Stoffe vorwiegend aus mediterranen Kulturbereichen und eine klassisch gezügelte Sprache - beides Grundkonstanten im Werk von Aichelburg - sind den im Westen veröffentlichten Gedichten (Aller Ufer Widerschein, Chorida) wie der Prosa (Umbrisches Licht, 1975) des Künstlers eigen.

Von Aichelburgs musikalisches Werk - im Bewusstsein des Autors kommt ihm zumindest gleichrangige Stellung zum Literarischen zu - geht vorwiegend auf französische Vorbilder (Messiaen, Poulenc) zurück und umfasst Vokal- und Instrumentalmusik (vom Lied bis zum Konzert für großes Orchester).

Werke (Auswahl): Fünf Sonaten für Violine und Klavier; zehn Streichquartette; ein Konzert für Trompete und Orchester; zwei Konzerte für Klavier und Orchester.

Stefan Sienerth

Literatur:

Stefan Sienerth: Artikel Aichelburg, in: Lexikon der Siebenbürger Sachsen, Thaur bei Innsbruck 1993, S. 19.

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