Bericht über die Musikwoche 2006 / Von Johannes Killyen

Beeindruckende Konzerte, interessante Vorträge, gute Atmosphäre und Dozenten, viele Menschen und treue Sponsoren: Das waren die zahlreichen Eckpfeiler, auf denen die Musikwoche der Gesellschaft für deutsche Musikkultur im südöstlichen Europa e.V. (GDMSE) auch diesmal verlässlich ruhte. Sie fand vom 18.-23. April 2006 zum 21. Mal statt, wie immer inmitten von Weinbergen in der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein bei Heilbronn.

Höhepunkte waren das Dozentenkonzert der Musikwoche in der gut gefüllten Deutschmeisterhalle Gundelsheim und das Abschlusskonzert vor über 200 Zuhörern in der Stiftskirche Öhringen. Im Mittelpunkt beider Veranstaltungen stand neben dem selbstverständlichen Fokus auf die Musik deutscher Komponisten aus Südosteuropa die musikalische Vielfalt - auch als Spiegel der mannigfaltigen Aktivitäten während der Musikwoche.

Das Dozentenkonzert begann mit dem für Klavier zu vier Händen komponierten und streng konstruierten Werk "Klangspiegel" des im Banat geborenen Komponisten Friedrich K. Wanek (gespielt von Liane Christian und Gertraud Winter-Sailer). Und stand damit im größten Gegensatz zu Zoltan Kodálys Duo für Violine und Cello op. 7, das mit seinem meditativen Charakter der bildreichen Empfindungswelt der Volksmusik nachspürt. Solisten waren hier der Geiger Harald Christian und der Cellist Jörg Meschendörfer.

Wieder eine neue Welt eröffneten drei glutvolle (und von Hans Straub glutvoll gesungene) Lieder Waldemar von Baußnerns aus dem "Italienischen Liederbuch" von Paul Heyse - zu denen drei Gesänge des in München lebenden siebenbürgischen Komponisten Dieter Acker in wirkungsvollem Kontrast standen. "..taumelt geblendet ins grün..." heißt das Werk, es wurde interpretiert von Johanna Boehme (Sopran), Bärbel Tirler (Altquerflöte) und Christian Turck (Klavier).

Nach der Pause folgten schließlich Ausschnitte aus der Oper "Die Glocke" von Helmut Sadler, der längst so etwas wie der Haus- und Hofkomponist der Musikwoche Löwenstein ist und auch bei diesem Konzert anwesend war. Die Geschichte der Suche nach einer Glocke, die eigentlich eine Suche nach dem Glück ist, gestalteten die Sängerinnen Renate Dasch, Johanna Boehme sowie die Pianistin Liane Christian und ein Streichquartett. Abschließend spielten Harald Christian, Jörg Meschendörfer und Liane Christian Mozarts Klaviertrio CDur KV 548.

Im Abschlusskonzert der Musikwoche am 22. April in Öhringen fiel dann nicht nur die kompositorische Vielfalt auf, sondern auch ein buntes Nacheinander verschiedener Gruppen der Musikwoche. Da brachte der von Gertraud Winter-Sailer vorzüglich geleitete Jugendchor Gregorianische Choräle, Taizé-Gesänge und Spirituals zu Gehör. Und wurde von einem barocken Kammerensemble abgelöst, das Ausschnitte aus Telemanns "Tafelmusik" von der Empore herunter schickte.

Im Flötenkonzert von Domenico Cimarosa (als Solistinnen souverän: Judith Burzlaff und Ricarda Streckel) war dann das von Harald Christian einstudierte und von Marco Lechler geleitete Orchester der Musikwoche zu erleben - das sich gleich darauf wieder zu bewähren hatte in Michael Haydns G-Dur-Sinfonie, deren langsame Einleitung zum ersten Satz von Mozart stammt. Das Werk war für 2006 ganz bewusst ausgewählt worden, denn neben dem Gedenken an Mozart sollte auch die Erinnerung an Michael Haydn nicht zu kurz kommen, der vor 200 Jahren in Salzburg starb und zeitweise Domkapellmeister in Großwardein/Oradea war.

Der Chor, diesmal mit einem A-cappella-Repertoire, lieferte unter Leitung von Marco Lechler eine für die kurze Probenzeit mustergültige Interpretation dreier Mendelssohn-Motetten und zweier Spruchmotetten des Klausenburger Komponisten Hans Peter Türk. Dass für die Musikwoche Löwenstein und die GDMSE auch die ethnische Vielfalt wichtig ist, bewies das letzte Werk des Abschlusskonzertes - eine Streichersuite des rumänischen Komponisten Doru Popovici, die auf Stücken aus dem "Codex Caioni" basiert. Diese bedeutende Musikhandschrift fertigte der Franziskanermönch Joannes Caioni im 17. Jahrhundert an.

Großen, lang anhaltenden Beifall gab es - nicht nur am Ende - in beiden Konzerten, neben denen freilich noch viel mehr passierte bei dieser Musikwoche: Beim internen "Talentschuppen" konnten junge Musikerinnen und Musiker zu Hause einstudierte Werke vorstellen und damit jene Bühnenluft atmen, in der man stets anders spielt und singt als im stillen Kämmerlein. Jugendlichen - und nicht nur ihnen - ein musikalisches Forum und eine aufgeschlossene Zuhörerschar zu bieten, das ist ohnehin ein wichtiges Anliegen der Löwensteiner Musikwoche. Es kam auch im Hausmusikabend am 21. April und in der sonntäglichen Matinee am 23. April zum Tragen.

Ein Konzert am 20. April war vier Gästen aus Rumänien vorbehalten, die an der ganzen Musikwoche teilnahmen, diese durch instrumentale Kunst bereicherten und ihrerseits bereichert wieder nach Hause fuhren. Den Austausch zwischen Jugendlichen aus Deutschland und Rumänien zu fördern, dies ist schon seit langem ein Ziel der GDMSE, das in Zusammenarbeit mit den Musikpädagoginnen Gerda Türk und Ilse László-Herbert aus Klausenburg jährlich bei der Musikwoche umgesetzt wird. Ein unterhaltsamer ebenso wie kompetenter Diavortrag des GDMSE-Vorsitzenden Dr. Franz Metz zu Leben und Werk von Michael Haydn komplettierte das Konzert am 20. April.

Ein Erfolgsgeheimnis der Musikwoche ist die Zuverlässigkeit, Konstanz und Qualität ihres Dozentenstamms, der sich in den vergangenen Jahren kaum verändert hat: Harald Christian aus Augsburg leitete wieder die hohen Streicher und viele Orchesterproben, seine Frau Liane Christian war für die Pianisten zuständig und wurde darin erstmals vom Freiburger Musikpädagogen Christian Turck unterstützt. Bei der Betreuung der tiefen Streicher löste Jörg Meschendörfer (Trier) die langjährige Klausenburger Dozentin Ilse László-Herbert ab, dafür waren wie bisher Bärbel Tirler für die Holzbläser, Thomas Tirler (beide Marl) für die Blechbläser, Hannah König (München) für die Blockflöten sowie Gertraud Winter-Sailer (Augsburg) für den Jugendchor und die musikalische Früherziehung zuständig. Die Gesamtorganisation lag in Händen von Wolfgang Meschendörfer (Coesfeld) und Johannes Killyen (Dessau).

Den ebenso konstanten Zuwendungen von Sponsoren ist es zu verdanken, dass die Musikwoche diesmal ohne existenzielle Sorgen stattfinden konnte und die Teilnehmergebühren nicht in Höhen gehoben werden mussten, die für manche Musikfreunde wohl unerreichbar gewesen wären. Förderer waren das Innenministerium des Landes Baden-Württemberg, die Stadt Gundelsheim, die Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung, die HOG Kronstadt, die HG Hermannstadt und die Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum.

Ein verlässlicher und guter Partner war wieder die Evangelische Tagungsstätte in Löwenstein, die sich in vielfältiger Weise auf die Musikwoche eingestellt hatte. Unterstützer bei der wichtigen Öffentlichkeitsarbeit waren unter anderem das Altenheim "Heimathaus Siebenbürgen" in Gundelsheim und die Ortsgruppe Öhringen der siebenbürgisch-sächsischen Landsmannschaft.

Pläne, die bei der Mitgliedversammlung der GDMSE am 22. April besprochen wurden, sind unter anderem eine CD mit Mitschnitten aus Kammermusikkonzerten der Musikwoche und die Erstellung eines neuen Faltblattes für die Gesellschaft.

Johannes Killyen